Snacks für Kaninchen und Meerschweinchen

Von Priv. Doz. Dr. med. vet. Birgit Drescher

In Zoofachgeschäften, Supermärkten und Drogerien werden für Kaninchen und Meerschweinchen außer Grundfuttermischungen und Heu auch eine Vielzahl unterschiedlicher „Snacks“ angeboten. Dabei handelt es sich um „Knabberstangen“ unterschiedlicher Zusammensetzungen, gehalten von einem Holz- oder auch Kunststoffstiel, die bunt und appetitlich aufgemacht und in farbenfrohen Verpackungen konfektioniert sind. Ausserdem werden mit E 160 C oder E 141 grellorange oder giftgrün eingefärbte Maiskroketten sowie Joghurt-Drops unterschiedlicher Farb- und Geschmacksrichtungen angeboten. Mit diesen Produkten der Futtermittelindustrie wird dem interessierten Kunden suggeriert, dass er seinem Heimtier etwas Besonderes und auch etwas besonders Gesundes zukommen lassen kann. Tatsächlich ist jedoch zu hinterfragen, inwieweit es sich bei diesen Snacks um der Gesundheit dieser Tierarten zuträgliche Futtermittel handelt. Bei genauerer Betrachtung der Inhaltsstoffe bestehen diese Snacks zu einem großen Teil aus Futtermittelkomponenten, die weder zum natürlichen noch artgerechten Futtermittelspektrum dieser Tierarten zählen und die bei längerfristiger bzw. übermäßiger Gabe eine die Darmfunktion sehr negativ beeinträchtigende Wirkung ausüben können.

In der Kleintiersprechstunde des Tierarztes werden Kaninchen und Meerschweinchen besonders häufig mit Durchfallproblemen vorgestellt. Darüber hinaus gibt es auch andere Magendarmprobleme, die häufig mit einer Korrektur der Fütterung behoben werden können. Mit anderen Worten: Sie wurden zunächst durch eine über lange Zeit nicht artgerechte Fütterung hervorgerufen. Folglich empfiehlt es sich, sowohl aus dem Blickwinkel des Tierarztes als auch schon im Vorfeld aus der Sicht des Tierhalters die Fütterung zu hinterfragen und gegebenenfalls zu korrigieren, falls eine Veränderung der üblichen festen Kotkonsistenz auffällt oder falls weitere auf Magendarmstörungen hinweisende Krankheitszeichen zu beobachten sind. Beim Auftreten schmerzhafter Zustände, die mit Verweigerung der Futteraufnahme und Apathie des Tieres einhergehen können, sollte aber auf jeden Fall umgehend ein Tierarzt zugezogen werden, da dieser Symptomatik aufgegaste Magendarmabschnitte zugrunde liegen, die mit kolikartigen Schmerzen einhergehen und für das betroffene Tier ein großes Leiden bedeuten. Die im Darmtrakt durch Bakterien und Hefen produzierten Gase führen durch den Druck der Gase auf die Darmwand zur Kompression aller in der Darmwand liegenden Blutgefäße mit der Folge, dass die Blutversorgung des empfindlichen Gewebes sehr stark beeinträchtigt wird. Hieraus können lokale Schädigungen des Darmgewebes entstehen oder auch ein völliges Kreislaufversagen mit Herzstillstand und Todesfolge.

Joy zieht ein paar Grashalme quer durchs Mäulchen

Joy (von Andi und den Rackern)

Im Folgenden soll aufgezeigt werden, wie solche dramatischen Magendarmstörungen einerseits entstehen bzw. andererseits vermieden werden können. Um eine Verständnisgrundlage zu geben, sollen zunächst die anatomischen (bauartlichen) sowie die physiologischen (funktionellen) Gegebenheiten der Kaninchen und Meerschweinchen aufgezeigt werden. Daraus können unter Berücksichtigung des natürlichen Futterspektrums dieser Tierarten die ernährungsphysiologischen Bedürfnisse abgeleitet und eine Beurteilung der Zusatzfuttermittel wie der bereits oben aufgeführten „Snacks“ durchgeführt werden.

Anatomische und physiologische Besonderheiten des Verdauungskanals

Alle Zähne des Kaninchens und des Meerschweinchens sind wurzeloffene Zähne, d.h. sie wachsen lebenslang, Unterkieferzähne schneller als Oberkieferzähne. Die Schneidezähne weisen nur auf der Vorderseite einen harten Schmelzbelag auf, woraus die meißelähnliche Form sowie die Schärfe der Schneidezähne resultieren. Eine regelmäßige Abnutzung der Zähne durch das Vermahlen grobstrukturierter Rohfaser, d.h. von zellulosereichen Grünpflanzen steht physiologischerweise im Gleichgewicht zu einem dauerhaften Zahnwachstum. Wenn dieses Gleichgewicht gestört ist, kommt es zu einer unzureichenden Zahnabnutzung und infolgedessen zu überlangen Zähnen. Eine ausreichende Zahnabnutzung ist nur gewährleistet, wenn eine sehr rohfaserreiche Fütterung geboten wird, die ein intensives Mahlen der Backenzähne notwendig macht, d.h. Heu oder Gras ist Grundfutter und sollte durch abwechslungsreiches Frischfutter wie Blätter, Kräuter, geringgradig Gemüse und Obst ergänzt werden.

Der Magen des Kaninchens bzw. des Meerschweinchens ist einhöhlig und weist eine sehr dünne Magenwand auf. Dies beruht auf der sehr schwach ausgebildeten Muskelschicht der Magenwand, weshalb es auch nicht möglich ist, dass ein Kaninchen oder Meerschweinchen Futter erbricht. Der Nachteil liegt für das Tier darin, dass einmal aufgenommene Futtermittel, den gesamten Verdauungskanal passieren müssen, bis sie wieder ausgeschieden werden können. Da eine Darmpassage vier bis fünf Tage andauern kann, wird auch ein schwer oder schlecht verträgliches Futtermittel über diesen Zeitraum das Tier mit Schmerzen und Blähungen peinigen.

Kaninchen und Meerschweinchen fressen häufig und in kleinen Mengen – bis ca. 80 mal am Tag. Der Weitertransport des Mageninhalts ist nur durch erneute Futteraufnahme und Nachschub möglich.

Jolna steht an der offenen Kühlschranktür und holt sich selber Futter

Jolna bedient sich lieber selbst ;-) Gewinner vom Bild des Monats Dezember 2007 Jolna von Petra L.

Der Blinddarm ist bei Kaninchen und Meerschweinchen eine relativ große Gärkammer, die bis zu einem Drittel des Bauchhöhlenvolumens einnehmen kann. Die bakterielle Darmflora besteht überwiegend aus Anaerobiern (Bakterien, die ohne Sauerstoffzufuhr leben können) und grampositiven Bakterien wie Kokken, Laktobazillen, wohingegen die gramnegativen E. coli und Cl. perfringens nur passager und in geringer Keimzahl vorkommen. Eine hohe Anzahl der zuletzt genannten Keime ist immer als Dysbakteriose (Bakterienfehlbesiedlung) zu werten und meist durch für diese Tierarten ungeeignete Futtermittel bedingt. Die für Kaninchen und Meerschweinchen notwendige spezielle Bakterienflora – vor allem Laktobazillen – ist in der Lage, Zellulose aufzuspalten, wodurch leicht verdauliche freie Fettsäuren entstehen, die resorbiert werden können und dem Kaninchen bzw. Meerschweinchen als leicht umsetzbare Energie zur Verfügung stehen. Damit diese physiologische Darmflora funktioniert, bedarf es eines deutlich basischen Darmmilieus. Bei der Fütterung rohfaserreicher, d.h. zellulosereicher, Futtermittel ist dies gewährleistet. Bei der Verfütterung von zucker- und stärkereichen Futtermitteln nicht: Stärke wird zu Zucker abgebaut und durch Zucker sinkt der ph-Wert von zwischen 8 und 9 auf zwischen 5 und 6 ab. Die Folge ist ein Absterben der essentiellen physiologischen Darmflora und ein Überwuchern mit unerwünschten Keimen wie E. coli, die nicht in der Lage sind, Zellulose aufzuspalten und die für diese Tiere essentiellen Stoffwech-selprodukte wie Vitamine zu synthetisieren. Der bei der Stärkeverdauung gebildete Zucker kann zwar neben den freien Fettsäuren auch als Energielieferant genutzt werden, liefert dem Tier jedoch in der Regel ein Zuviel an Kalorien und entspricht folglich den sogenannten „leeren Kalorien“, die bei Überangebot in Fettdepots angelegt werden.

Im Blinddarm wird als Endprodukt ein sogenannter Blinddarmkot, die Caecotrophe, gebildet. Dabei handelt es sich um schleimüberzogene, trauben- bis wurstförmige, glänzende Gebilde. Dieser spezielle Weichkot, dessen Anteil am Gesamtkot bei über 30 % liegt, passiert die weiteren Abschnitte des Dickdarms weitgehend unverändert, wird von den Tieren direkt vom Enddarm abgenommen und unzerkaut geschluckt, was meist als „Putzbewegung“ zu beobachten ist. Dieser Blinddarmkot besteht aus den Bakterien selbst – die wiederum aus Eiweißen, Kohlenhydraten und in geringem Maße auch aus Fetten bestehen – Mukoproteinen und Vitaminen. Er verweilt bis zu 6 Stunden im Magen, wo die Bakterien aufgrund des warmen und feuchten Milieus zunächst weiter aktiv sein können. Er bleibt durch die Schleimhülle lange erhalten. Die in der Caecotrophe enthaltenen Bakterien sind durch ihre bakteriellen Enzyme so lange wirksam, bis sie durch die Salzsäure des Magens inaktiviert werden. Anschließend erfolgt im Magen und Dünndarm eine Auflösung der Schleimhülle mit nachfolgender Verdauung, d.h. chemischer Aufspaltung und Resorption der Einzelkomponenten dieser Caecotrophe. Auf diese Weise sind diese Tierarten in der Lage, aus zellulosereichen Futtermitteln – die keinerlei sonstige Inhaltstoffe wie Proteine, Fette, Kohlenhydrate oder Vitamine beinhalten müssen – alle für sie notwendigen Nährstoffe selbst zu synthetisieren. Das Meerschweinchen ist lediglich auf die Zufuhr von Vitamin C angewiesen, welches reichlich vorhanden ist in frischem Obst wie z.B. Erdbeeren, Paprika und Tomaten.

Futterspektrum unter natürlichen Lebensbedingungen

Schweinchen hängt in der McDee-Salatschüssel

„Ich liebe es“ (Fast-Food für Schweinchen von Antonia F., Gewinner vom Bild des Monats Januar 2009)

In freier Natur fressen Kaninchen Gräser, Kräuter und Blätter von Gemüsepflanzen und nehmen Wasser überwiegend in Form von Tautropfen in ihrer dämmerungsaktiven Zeit auf, in der sowohl am Morgen als auch am Abend die Pflanzen jeweils vom Tau angefeuchtet sind. Nicht zum Nahrungsspektrum von Kaninchen in freier Wildbahn gehören hingegen Getreidekörner von Weizen, Roggen, Hafer oder Gerste bzw. Maiskörner: Solche Körner sind jahreszeitlich bedingt nur für eine kurze Periode in der freien Natur verfügbar und dann in einer entsprechenden Höhe von ca. 1 Meter, was für Kaninchen und Meerschweinchen ohnehin gar nicht erreichbar wäre. Nur wenn vom Wind umgewehte Pflanzen bzw. verwehte Körner auf den Boden fallen, könnten Kaninchen überhaupt an dieses sehr stärkereiche, aber zellulosearme Futtermittel herankommen – dann allerdings zu einer Jahreszeit, in der dieses energiereiche Futter sogar einen Sinn machen würde, da bei Wildkaninchen kurz vor dem Winter eine entsprechende Energiereserve erforderlich ist. Ansonsten fressen Kaninchen in freier Natur keine Körner.

Die Stammform unseres Hausmeerschweinchens ist das Gebirgsmeerschweinchen – Cavia aperea cutleri. Diese Tierart besiedelt grasreiche Hochebenen und Buschsteppen der Anden bis zu Höhenlagen von 4200m. Das Gras der Anden ist sehr reich an Vitamin C, so dass diese ökologische Nische ideal ist für das Nahrungsangebot an das Meerschweinchen. Unter hiesigen Lebensbedingungen ist sicherlich ebenfalls Gras bzw. Heu das essentielle Futtermittel für Meerschweinchen, jedoch immer ergänzt durch Vitamin C-haltige andere Futtermittel.

Woraus bestehen Snacks für Kaninchen und Nagetiere?

Kinder – und Erwachsene – werden von der Lebensmittelindustrie auf vielfältige Weise zu süßen, salzigen, bunten und teilweise völlig naturfremden Leckereien verführt. Die Futtermittelindustrie schließt sich diesem Markt an und bietet in zunehmendem Maße und in immer neuer Vielfalt Snacks für Kaninchen und Meerschweinchen an, damit Kinder Leckereien – wie sie sie selber lieben – auch an Ihre Lieblinge weitergeben. Um dieses Bedürfnis zu befriedigen, hat die Futtermittelindustrie eine breite Palette solcher „Snacks“ für Kaninchen und Nagetiere entwickelt und auf den Markt gebracht. Bei Betrachtung der Inhaltsstoffe solcher Packungsinhalte sind gemäß der Packungsdeklarationen folgende Futterbestandteile in den Snacks enthalten:

Futtermittel, die überwiegend zu leichtverdaulichem Zucker abgebaut werden und deshalb das Darmmilieu der Kaninchen und Meerschweinchen ungünstig beeinflussen: „Zucker“ „Mehl“ „Maiskleie“ „Hartbiscuit“ „Zuckerrohrmelasse“ „Bäckereinebenerzeugnisse“ „ausgesuchte Getreidearten“ „wertvolle aufgepoppte Getreidesorten“ „Honig“

Futtermittel, die in freier Natur niemals von Kaninchen und Meerschweinchen aufgenommen werden können, und die aus Inhaltsstoffen bestehen, die für das Kaninchen bzw. Meerschweinchen schwer verdaulich sind: „gehackte Nüsse“ „Saaten“ „tierisches Eiweiß“ „frische Eier“ „Milch- und Molkereierzeugnisse“ „Joghurtpulver“

Futtermittel, die als undefinierbare Abfallprodukte aus der Lebens- bzw. Futtermittelindustrie stammen: „pflanzliche Nebenerzeugnisse“ „tierische Nebenerzeugnisse“

Fazit:

Getreide- und Maiskörner sind auf den Weltmärkten billige Rohwaren, die ansehnlich bearbeitet und attraktiv verpackt als Futtermittel für Kaninchen und Meerschweinchen von der Industrie angeboten werden. Ob in handlichen Packungen oder nach Art großer Bonbonieren, aus denen sich der Verbraucher die Einzelkomponenten selbst zusammenstellen kann, ist es ein leicht zu handhabendes Futtermittel, das wenig Schmutz bei der Fütterung hinterlässt und von Kaninchen und Meerschweinchen leicht akzeptiert wird. Die hohe Akzeptanz von Seiten der Tiere darf aber – analog der hohen Akzeptanz von Süßigkeiten durch Kinder und Erwachsene – nicht gleichgesetzt werden mit einem artgerechten und damit für das Tier gesunden Futtermittel. Die Vorliebe für besonders süße sowie besonders bittere Stoffe (Bitterstoffe aus Baum- und Strauchrinden) ist den Kaninchen und Meerschweinchen arteigen. Die instinktive Bevorzugung höher konzentrierter Lebens- und Futtermittel ist beim Menschen sowie im Tierreich generell weit verbreitet, geht jedoch nicht gleichzeitig mit einer gesunden Ernährung einher.

Kaninchen und Meerschweinchen sind im Bereich des dem Blinddarm nachgeschalteten Grimmdarmes mit sehr effizienten Kompensationsmechanismen ausgerüstet, d.h. zellulosehaltige Partikel können aus dem Dickdarm entgegen der Haupttransportrichtung des Darminhaltes wieder in den Blinddarm zurücktransportiert werden. Auf diese Weise kann eine stärkereiche und zellulosearme Fütterung zunächst – äußerlich betrachtet – unbeschadet ausgeglichen werden. Die Folgen werden jedoch in zunehmendem Maße offensichtlich:

  • Übergewichtige Tiere, die mit der Zeit bewegungsunlustig werden.
  • Tiere mit chronischen Durchfällen, die mit kotverschmiertem Fell im Anogenitalbereich gekennzeichnet sind – Fliegenbefall in der Sommerzeit mit Ablage von Fliegeneiern in die Haut der Tiere.
  • Trommelsucht der Kaninchen und Meerschweinchen als Folge von Fehlgärungen im Blinddarm: die Stärke wird zu Zucker abgebaut und dieser wird durch Hefen vergoren. In der Folge bilden sich Gase, die nicht entweichen können, so dass der Darm aufbläht und die Tiere hochgradige Bauchschmerzen erleiden.
  • Bei der Futteraufnahme werden Körner mit den Zähnen zerquetscht und das Futter wird nicht lange genug mit den Backenzähnen gemahlen, so dass der Zahnabrieb ungenügend ist und überlange Zähne entstehen. Folge: die Tiere entwickeln in die Zunge oder die Backenschleimhaut einspießende und einwachsende Zähne, die die Nahrungsaufnahme – vom Tierhalter häufig unbemerkt – beeinträchtigen und die nur von einem Tierarzt festgestellt und beseitigt werden können.
  • Eine überwiegend aus stärke- und zuckerreichen Futtermitteln bestehende Fütterung liefert zu wenig Kalzium, so dass über längere Zeit ein Kalziumdefizit entsteht, das sich besonders durch erworbene – im Gegensatz zu angeborenen – Zahnfehlstellungen erkennen lässt. Die Aufnahme von Heu aus vielfältigen Graspflanzenmischungen hingegen garan-tiert eine ausreichende Kalziumversorgung. Eine Überversorgung mit Kalzium ist durch Heugaben nicht möglich, hingegen jedoch durch Konzentratfütterungen mit Luzerneheurollies und/oder exzessiven Petersiliengaben.

Die Tatsache, dass der Fachhandel seit vielen Jahren Körnerfutter und zu den sogenannten Snacks abgewandelte Futtermittel für Kaninchen und Meerschweinchen mit großem Erfolg verkauft, liegt

  • an den billigen Rohstoffen und deren einfacher Verarbeitung.
  • An der großen Futtermittelakzeptanz auf Seiten der Tiere.
  • An der Tatsache, dass die Folgeerscheinungen nicht kurzfristig nach Verfütterung bestimmter Futtermittel auftreten und auf diese zurückgeführt werden können, sondern langfristig entstehen.
  • An der leichten Handhabbarkeit der Futtermittel.Grundsätzlich liegen die Argumente für das Körnerfutter auf Seiten des Tierhalters und nicht auf Seiten der Tiere. Diese Tatsache legt den Schluss nahe, dass für die Futtermittelindustrie geprüfte Kaufargumente von Kleintierbesitzern als potentielle Kunden im Vordergrund stehen und den tatsächlichen Bedürfnissen und Ernährungsgewohnheiten der „Endverbraucher“, nämlich der Kaninchen und Meerschweinchen, nur sekundäre Bedeutung zukommt. Nur so erklärt sich auch ein Angebot von völlig naturfremden Futtermitteln wie Milch- und Joghurtdrops für Kaninchen und Meerschweinchen, die in der Regel sehr reich an all jenen Inhaltsstoffen sind, die diese Tierarten in dieser Konzentration nicht benötigen. Die hohe Kaufakzeptanz für diese Snacks liegt in dem Irrglauben des Tierhalters, dass Milch-, Joghurt- und Schokoladendrops für das Haustier ein ähnlich kulinarisches Vergnügen darstellen wie analoge Lebensmittel für ihn. Er genießt die vermeintliche Gewissheit, mit seiner ausgeprägten Tierliebe seinem Liebling etwas Gutes getan zu haben.
    Erst in den letzten Jahren haben engagierte Tierärzte sowie Tierernährungsspezialisten auf diese Mißstände hingewiesen. Seit einiger Zeit werben deshalb innovative Futtermittelfirmen mit getreidefreiem Futter und vertreiben Futtermittel, die auf den Bedarf dieser Tierarten ausgerichtet sind. Folglich sollte der informierte Leser und Kaninchen- bzw. Meerschweinchenhalter zukünftig auf eine artgerechte Fütterung wert legen, die für beide Tierarten gleichermaßen bedeutet, dass ein Grundfutter aus vielfältigem Heu oder aus Heupellets stets zur Verfügung steht, zu dem ergänzend und zur abwechslungsreichen Beschäftigung der Tiere in Maßen Frischfutter wie in den dargestellt zusätzlich gegeben werden sollte.

Weitere Infos zur richtigen Fütterung von Meerschweinchen findet man bei  Meerschweinchen-Info