Für eine Frühkastration sprechen neben der Verhinderung unerwünschten Nachwuchses natürlich zunächst psychologische Gründe:

  • Keine Trennung von Eltern und Geschwistern. Zwei bis drei Stunden nach der Operation saust der Delinquent wieder durchs Gehege.
  • Im jugendlichen Alter treten wesentlich weniger Nebenwirkungen auf. Die Narkose wird besser vertragen und vor allen Dingen ist die Gefahr von Blutungen und dadurch bedingten Schwächungen des Organismus auf ein Minimum reduziert, weil die regionären großen Blutgefäße auch erst mit Eintritt der Geschlechtsreife so richtig ihre Funktion aufnehmen (das ist wohl nach dem Gehirn die am besten durchblutete Region beim geschlechtsreifen Bock)

Beim männlichen Individuum sind die Geschlechtshormone, speziell das Testosteron, welches zum größten Teil in den Hoden gebildet wird, für die Ausbildung des Phänotyps mit verantwortlich. Dieses Hormon wird erst ab Eintritt der Geschlechtsreife in größeren Mengen produziert und hat einen spezifischen Einfluss auf den Epiphysenschluss der langen Röhrenknochen.

Das bedeutet, dass nach einer Frühkastration das arttypische Gesamtbild des Kastraten nicht mehr der Norm entsprechen KANN, dass speziell die Beine ein etwas ungewohntes Format annehmen KÖNNEN.

Sachser schreibt, dass Männchen, die alleine oder nur in Gesellschaft eines weiblichen Tieres aufwachsen, später unfähig sind, Konfliktsituationen mit anderen Böckchen aus dem Weg zu gehen. Im Gegensatz dazu lernen Böckchen, die in Gruppen aufgezogen werden, damit umzugehen.

Es gibt also gewichtige Gründe für und gegen eine Frühkastration. Sie sollte deshalb immer unter Berücksichtigung des jeweiligen Einzelfalles erwogen werden.

Weitere Infos über den Ablauf der OP findet man hier:
http://sallee1.gmxhome.de/Fruehkastration.pdf (mit freundlicher Genehmigung von Janne-Dore: www.dielilienthaler.de.vu)