Meerschweinchen ziehen sich leider recht häufig Augenverletzungen zu. Meist ist ein Heu- oder Strohhalm die Ursache. Im Übermut bei einem Sprint oder bei der Flucht wegen eines Rangfolgenstreits kann es einfach mal passieren, dass ein Heuhalm ungünstig im Weg liegt und ins Auge gerät. Ebenso können hoch hängende Heuraufen durch ständiges Herunterrieseln des Heus dazu führen, dass sich kleinere Stücke im Auge festsetzen und zu Entzündungen führen.

Je nach Schwere der Verletzung können die Symptome von leichtem tränen des Auges bis zur Anschwellung, völliger Eintrübung oder gar Auslaufen des Augapfels reichen.

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Links: schwere Hornhautverletzung (dieses Auge konnte dank sofortiger Hilfe von einem Tierarzt gerettet werden)

 

Eine verletzte Hornhaut ist sehr anfällig für Infektionen. Nicht behandelte Augenverletzungen können zur Erblindung oder schweren Infektionen führen.Bei sehr schweren Verletzungen oder Infektionen ist die Prognose meist ungünstig und das Auge muss oft entfernt werden.

Um solchen Folgen zu entgehen, ist schnelles Handeln erforderlich. Je eher eine Hornhautverletzung behandelt wird, desto größer ist die Chance das Auge erhalten zu können. Augenverletzungen sind äußerst schmerzhaft und bedürfen auch dahingehend ein rasches Handeln. Von daher empfiehlt es sich auch Medikamente für eine Erstversorgung in der Notfallapotheke zu haben.

Bei Verdacht auf eine Augenverletzung kann man das Auge vorsichtig untersuchen. Häufig befinden sich Halme oder Spelzen aber unter dem Lid und sind mit ungeübter Hand nicht leicht auffindbar. Wenn der Fremdkörper deutlich erkennbar ist und im Augapfel steckt kann man (wenn man es sich zutraut dies mit ruhiger Hand durchzuführen) mit einer Pinzette entfernen. Danach muss aber umgehend eine weitergehende Behandlung erfolgen.

Deswegen bitte schnellstmöglich einen Tierarzt aufsuchen!!!

Der Tierarzt kann das Auge mit einem Fluorescein-Test einfärben. Nach Einbringen dieses Mittels werden Hornhautverletzungen sichtbar.

Die Behandlung erfolgt mit antibiotikahaltigen Tropfen oder Salben (z.B. Floxal, Polyspectan, Refobacin, Posifenicol) über mindestens 7 Tage. Wenn die Verletzung sehr stark oder bereits infiziert ist, sollten diese am 1. Tag möglichst stündlich gegeben werden, weil der Wirkstoffpegel nur 5-15 Minuten auf dem Auge gehalten wird. Ab dem 2. Tag kann man das Intervall reduzieren. Mindestens 3 bis 4 Behandlungen je Tag sollten aber bis zum Ausheilen beibehalten werden. Zusätzlich sollte zeitversetzt (etwa 20-30 Minuten später) zum Antibiotum eine Vitamin A haltige Salbe (z.B. Regepithel) gegeben werden weil diese die Heilung der Hornhaut unterstützt. Aufgrund der Schmerzhaftigkeit solcher Verletzungen ist bis zum Eintreten einer Besserung (i.d.R. die ersten 2-3 Tage) auch die Gabe eines Schmerzmittels erforderlich.

Achtung: Bei Hornhautverletzungen dürfen niemals cortisonhaltige Medikamente gegeben werden. Von daher sollte vor dem Einsatz solcher Mittel mit dem Fluorescein-Test sichergestellt werden, dass keine Verletzung vorliegt.

Manchmal ist ein Auge aber auch nicht mehr zu retten und muss entfernt werden. Dann gilt es natürlich die OP zu überstehen, aber ein Leben mit nur einem Auge ist für Meerschweinchen kein großes Problem. Hier ein paar Beispielbilder des Verlaufs einer solchen OP (Model: Tsowai vom Cavy-Forest):

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Ein Tag nach der OP

 

Nach der OP muss die Wunde täglich auf Eiterbildung oder Anschwellungen untersucht werden. Hierzu kann man das Gewebe um die Naht herum sanft andrücken und die Naht dabei beobachten. Wenn irgendwo aus der Naht Eiter hervor tritt hat sich die Wunde bakteriell entzündet und es muss unbedingt sofort der Tierarzt aufgesucht werden. Im schlimmsten Fall muss die Naht dann geöffnet und die Augenhöhle täglich gespült werden. Auch hier ist dann schnelles Handeln erforderlich, damit die Entzündung nicht weiter nach innen vordringt. Einige TA geben nach der OP prophylaktisch Antibiotika. Bei einer sauber und steril durchgeführten OP sollte es eigentlich zu keinen Infektionen kommen, die ein Antibiotikum erforderlich macht, aber man kann natürlich nie garantieren, dass während der OP keine Keime in die Wunde gelangen können. Dies sollte also zwischen Halter und Tierarzt besprochen werden.
Auf jeden Fall aber muss in den ersten Tagen eine ausreichende Schmerzversorgung erfolgen.

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10 Tage nach dem Ziehen der Fäden

Naja, ein betörender Blick sieht anders aus ;-) Bis zur endgültigen Abheilung sollte beim Schweine-TÜV weiterhin die Umgebung der Naht nach Schwellungen untersucht werden.

 

 

 

 

 

 

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Einige Monate später:

 

Die Fläche ist bis auf ca. 1 mm Naht vollständig mit Haut und Fell zugewachsen. Es sieht so aus, als ob das Schweinchen sein Auge lediglich geschlossen hätte.

Wir empfehlen übrigens nach einer Augen-OP keinen Kragen anzulegen. Es kommt nur äußerst selten dazu, dass ein Tier an die Naht geht. Andere Tiere der Gruppe neigen zwar schon mal dazu an den verlockenden Fäden zu zupfen, aber normalerweise entzieht sich das operierte Tier sofort dieser pieksenden Aufdringlichkeit.

Wenn ein Schweinchen sich wirklich massiv an der Naht vergeht ist eher davon auszugehen, dass es sich hier instinktiv richtig verhält und die Naht öffnen will weil da irgendwas nicht stimmt. Vermutlich gibt es irgendwo in der Wundhöhle eine schmerzende oder juckende Entzündung und dann sollte die Wunde von einem Tierarzt gründlich untersucht werden.