Ein Abszess ist eine umkapselte Eiteransammlung in einem neu gebildeten Gewebshohlraum. Er entsteht durch eine entzündliche Gewebseinschmelzung, die in den meisten Fällen durch eine bakterielle Infektion, Fremdkörper oder einer OP ausgelöst wird.
Um einen Abzess bildet sich Granulationsgewebe, das den Körper vor einer Infektion schützen soll. Hier konzentrieren sich auch Abwehrzellen. Das erklärt, warum eine alleinige systemische Antibiotikabehandlung nicht ausreichend ist. Das AB erreicht schlichtweg den Eiterherd nicht. Grundsätzlich können Abszesse fast überall entstehen.

Kieferabszesse

Ein Kieferabszess entsteht als Folge einer Zahnerkrankung. Leider fällt er oft erst auf, wenn er schon einen Durchmesser von mehreren Zentimetern hat.
Hier sei noch einmal darauf hingewiesen, dass auch beim wöchentlichen Schweinchencheck die Kiefer abgetastet werden müssen.

Ein Kieferabszess sowie jede andere Schwellung, Knotenbildung etc.  gehört sofort in tierärztliche Behandlung.
Der Kopf- und Kieferbereich muss auf jeden Fall in verschiedenen Ebenen geröntgt werden. Ohne eindeutigen Röntgenbefund behandelt man im Trüben und fügt dem Tier oft viel unnötiges Leid zu.
Röntgenaufnahme ist Pflicht!
Nach Auswertung der Aufnahmen muss über weitere Behandlungsmöglichkeiten gesprochen werden, auch sollte man hier in Betracht ziehen, dass medizinisch sicherlich vieles möglich ist, aber nicht alles für das Tier (und den Halter) zumutbar ist. Der Behandlungserfolg ist vom Außmaß des Abszesses abhängig.
Wenn der Kieferknochen bereits massiv in Mitleidenschaft gezogen ist, zuviele Zähne daran beteiligt sind, dann ist die Prognose ungünstig. Hier erspart man dem Tier viel Leid, wenn man rechtzeitig über Euthanasie nachdenkt. Das alles muss mit dem Tierarzt natürlich für den Einzelfall besprochen werden.

Kastrationsabszesse

Ursachen sind vor allem Unverträglichkeit des Nahtmaterials oder Fettgewebsnekrosen (ein Untergang von Fettgewebe, dem eine Zerstörung von Fettzellen zugrunde liegt, z.B. als Folge von Prellungen, Quetschungen, Operationen).

Kastrationsabszesse bemerkt man durch Schwellungen im Leistenbreich. Oft fühlt sich die Haut wärmer als in ihrer Umgebung an, das Allgemeinbefinden bleibt nicht selten ungestört, manchmal ist es auch deutlich schlechter als sonst.

Besteht der Verdacht auf einen Kastrationsabszess, muss umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden, der die Wunde dann versorgt, evtl. noch einmal öffnen muss und das Tier antibiotisch versorgt.

Die Nachsorge umfasst vor allem die regelmäßige Spülung der Wunde, evtl auch Einbringen eines Leukasekegels (Wundkegel mit einem AB und einem Lokalanästhetikum zur Schmerzlinderung) durch den Tierarzt. Der Halter muss dafür Sorge tragen, dass der Lebensraum des Schweinchen besonders sauber zu halten ist.

Kastrationsabszesse sind gut heilbar, wenn obiges beachtet wird.